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Die Amerikas: Trumps Einfluss befeuert Übergriffe

Untergräbt Rechte von Migrant*innen, verschärft Sicherheitspolitik und attackiert Menschenrechtsarbeit

Ein venezolanischer Migrant, der angeblich Verbindungen zu kriminellen Organisationen hat, sitzt am 16. März 2025 in einer Zelle des Gefängnisses CECOT in Tecoluca, El Salvador. © 2025 Salvadorianische Regierung via Getty Images

(Mexiko-Stadt) – Einige Regierungen in Lateinamerika und der Karibik verletzen auf Geheiß der Trump-Regierung die Rechte von Nichtstaatsangehörigen, während andere Trumps Politik und Rhetorik als Deckmantel für Übergriffe gegen ihre eigenen Staatsbürger*innen instrumentalisieren, so Human Rights Watch heute im World Report 2026.

Im 529-seitigen World Report 2026, der in seiner 36. Auflage erscheint, analysiert Human Rights Watch die Menschenrechtslage in über 100 Ländern. In seinem einleitenden Essay beschreibt Exekutivdirektor Philippe Bolopion die Eindämmung der weltweit erstarkenden autoritären Strömungen als generationenprägende Herausforderung. Angesichts der beispiellosen Gefährdung des internationalen Menschenrechtssystems durch die US-Regierung unter Donald Trump und andere einflussreiche Weltmächte ruft Bolopion demokratische Staaten, die sich zu den Menschenrechten bekennen, und die Zivilgesellschaft dazu auf, eine strategische Allianz zur Verteidigung der Grundfreiheiten zu bilden.

Der unverhohlene militärische Angriff der Trump-Regierung auf Venezuela Anfang 2026 könnte dazu führen, dass sich die repressive Regierung des Landes konsolidiert, solange sie den politischen und wirtschaftlichen Interessen der USA dient. Im Jahr 2025 haben mehrere Regierungen den Zugang zu Asyl eingeschränkt und Migrant*innen, die aus den USA abgeschoben wurden, misshandelt. Einige lateinamerikanische Regierungen setzen zunehmend auf Sicherheitsstrategien, die auf Massenverhaftungen, dem Einsatz des Militärs zur Bekämpfung von „Terrorismus“ und unverhältnismäßiger Gewalt beruhen. Während die US-Regierung systematische Menschenrechtsverletzungen in Venezuela, Kuba und Nicaragua kritisiert, ignoriert sie gravierende Übergriffe in El Salvador, Ecuador und Peru, die Journalist*innen und Menschenrechtsorganisationen massiv einschränken.

„Während ihres ersten Amtsjahres hat die Trump-Regierung zweifellos einen negativen Einfluss auf Lateinamerika und die Karibik ausgeübt“, sagte Juanita Goebertus, Direktorin für die Amerikas bei Human Rights Watch. „Die lateinamerikanischen Regierungen haben die Verantwortung, die Demokratie zu verteidigen und sicherzustellen, dass sie den Menschen dienen – unabhängig davon, wer im Weißen Haus sitzt.“

  • Venezuela, Kuba und Nicaragua unterdrücken praktisch alle Formen von Dissens, verhaften Kritiker*innen, Oppositionelle und zwingen viele ins Exil. In Venezuela haben die Behörden Anfang 2026 eine Reihe von Gefangenen freigelassen, doch viele Menschen sitzen weiterhin aus politischen Gründen im Gefängnis. Die lateinamerikanischen Regierungen sollten sich für die Freilassung politischer Gefangener in diesen Ländern einsetzen und einen friedlichen Übergang zur Demokratie fördern, so Human Rights Watch. Sie sollten sich auch gegen die anhaltenden US-Luftangriffe in der Karibik und im Pazifik stellen, bei denen bereits mehr als 120 Menschen getötet wurden und die gemäß Völkerrecht als außergerichtliche Hinrichtungen gelten.
  • Organisierte kriminelle Gruppierungen stellen eine Bedrohung für die Menschenrechte dar. Der extremste Fall ist Haiti, wo kriminelle Gruppierungen 90 Prozent von Port-au-Prince kontrollieren, ihr Einflussgebiet auf andere Teile des Landes ausgeweitet haben und Tausende Morde begangen haben.
  • Regierungen, darunter die von El Salvador und Ecuador, haben bei der Bekämpfung der organisierten Kriminalität schwere Menschenrechtsverletzungen begangen. In Brasilien führte eine Polizeirazzia in Rio de Janeiro zu 122 Todesfällen, was Teil eines größeren Musters von exzessiver Gewaltanwendung ist. In Mexiko hat die Regierung ihre Geheimdienstaktivitäten ausgeweitet und Maßnahmen ergriffen, die Massenverhaftungen ermöglichen, wie beispielsweise die obligatorische Untersuchungshaft. Im Rahmen der „Total Peace”-Strategie von Präsident Gustavo Petro in Kolumbien haben bewaffnete Gruppen und das organisierte Verbrechen ihre Kontrolle ausgeweitet. Regierungen, darunter die von Honduras, Peru, El Salvador und Ecuador, haben im Kampf gegen Kriminalität die Grundrechte für lange Zeiträume ungerechtfertigt ausgesetzt.
  • Panama und Costa Rica haben Drittstaatsangehörige, die aus den Vereinigten Staaten abgeschoben worden waren, willkürlich inhaftiert. El Salvador hat Venezolaner*innen, die von der Trump-Regierung dorthin abgeschoben worden waren, verschwinden lassen, willkürlich inhaftiert und systematisch gefoltert. Die Dominikanische Republik hat die Abschiebung von Haitianer*innen eskaliert und sie unter Verstoß gegen das Völkerrecht in Gefahr gebracht.
  • Während die Vereinigten Staaten ihre Auslandshilfen für Menschenrechtsgruppen und unabhängige Medien gekürzt haben, haben El Salvador, Peru und Ecuador Gesetze verabschiedet, die willkürliche Schließungen von Menschenrechtsgruppen und Medien ermöglichen. Argentinien hat ein zunehmend feindseliges Umfeld für unabhängige Medien geschaffen. Der Generalstaatsanwalt von Guatemala hat willkürlich Regierungsbeamte, Menschenrechtsverteidiger*innen und Kritiker*innen festgenommen. El Salvador hat prominente Menschenrechtskritiker*innen festgenommen, darunter die Anti-Korruptions-Anwältin Ruth Lopez.

„Menschenrechtsorganisationen und unabhängige Journalist*innen sind ein Bollwerk für die Demokratie in den Amerikas“, sagte Goebertus. „Regierungen müssen ihnen den Rücken stärken, denn sie riskieren viel, um Menschenrechte zu verteidigen und Korruption sowie Missbräuche aufzudecken.“

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